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Dreißigjähriger Krieg

Der Dreißigjährige Krieg gehört zu den epochalen Auseinandersetzungen der europäischen Geschichte, der nicht nur im Namen der Religion geführt wurde, sondern ebenso ein Machtkampf um die Hegemonie in Deutschland und Europa war. Auch wenn sowohl französische, dänische wie auch schwedische Truppen an den verschiedenen Phasen beteiligt waren, fand er fast ausschließlich auf deutschem Boden statt und war der Grund für die Zerstörung zahlreicher Dörfer und Städte, ganz zu schweigen von den zahlreichen Menschenleben und dem Leid, dass der Krieg vor allem über die arme ländliche Bevölkerung brachte. Auslöser des Dreißigjährigen Krieges war ein Aufstand überwiegend protestantischer Adliger in Böhmen gegen die Habsburgerischen katholischen Landesstände. Daher wird auch die erste Phase des Krieges, zwischen 1618 und 1625 gelegen, als Böhmisch-Pfälzischer Krieg bezeichnet. Danach folgte der Dänisch-Niedersächsischer Krieg von 1625 bis 1630, anschließend der schwedische Krieg von 1630 bis 1636. Der Ausgang des Dreißigjährigen Krieges wird durch den Schwedisch-Französischer Krieg von 1636 bis 1648 begleitet. Grundlage der Auseinandersetzungen waren die Differenzen zwischen Katholiken und Protestanten. Die Reformation hatte die damalige Welt, vor allem im Herzen Europas, in zwei Lager gespalten. Mit der Zeit rückten allerdings die religiösen Motive des Krieges in den Hintergrund und die politischen Spannungen zwischen den Großmächten Habsburg, Frankreich und Schweden traten in den Vordergrund. Jede Seite der Großmächte versuchte aus den Wirren des Krieges territoriale Vorteile zu gewinnen, die Grenzen zu verschieben und die entsprechende politische Vormachstellung in Europa gegenüber den Kontrahenten auszubauen. Vor allem gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, als die einflussreichsten Großmächte Frankreich und das Haus Habsburg in den Krieg eintraten, erlitt auch die Region des gesamten Südschwarzwalds und der Bodenseeraum großen Schaden. Er befand sich damals zum Großteil im Machtbereich der Habsburger und war zugleich Grenz- und Frontregion zu Frankreich. Der Dreißigjährige Krieg setzt sich aus insgesamt 4 verschiedenen Kriegsphasen zusammen und dauerte von 1618 bis 1648.

1. Böhmisch-Pfälzischer Krieg (1618-1623)
Im Jahr 1618 begann der Dreißigjährige Krieg mit dem symbolischen Prager Fenstersturz. Der kaiserliche Stadthalter in Prag wurde von protestantischen Ständevertretern aus dem Fenster der Prager Burg gestürzt. Ein Jahr später wurde Ferdinand II. durch die böhmischen Stände abgesetzt und der protestantische Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz als Ersatz zum neuen König von Böhmen gewählt. Nach seiner Wahl zum Kaiser besiegte der abgesetzte Ferdinand II. die böhmischen Truppen in der Schlacht am Weißen Berg im Jahr 1620. Mit dieser Niederlage endete der böhmische Aufstand und auch die Herrschaft des Kurfürsten Friedrich von der Pfalz war somit beendet. Für seine kurze Regierungszeit in Böhmen erhielt der den Spotnamen Winterkönig, da er nicht länger als ein Winter regierte. Doch weitaus schlimmer als der Spotname war die anschließende Eroberung der Pfalz durch den kaiserlichen Feldherrn Tilly im Jahr 1622. Er setzte den Kurfürsten Friedrich ab, die pfälzische Kurwürde fiel an Bayern und Böhmen wurde gewaltsam rekatholisiert. Mit dem Jahr 1623 endet die erste große Phase des Dreißigjährigen Krieges.

2. Niederländisch-Dänische Krieg (1625-1629)
Im Jahr 1625 fiel König Christian IV. von Dänemark, der sich an die Spitze der protestantischen Bewegung gestellt hatte, mit seinen Truppen in Norddeutschland ein. Er wurde durch die kaiserlichen Truppen unter der Leitung von Tilly und Wallenstein geschlagen. Wallstein, einer der größten Feldherrn im Dreißigjährigen Krieg, hatte sich mit einem selbstfinanziertes Heer in den Dienst des Kaisers Ferdinand gestellt. Im Frieden von Lübeck schied Dänemark schließlich wieder aus den deutschen Streitigkeiten aus. Doch mit Norddeutschland war nun fast ganz Deutschland mit kaiserlichen Truppen besetzt und mit dem Restitutionsedikt forderte Ferdinand II. die Rückgabe aller seit 1552 eingezogenen geistlichen Güter. Der Kaiser und der Katholizismus triumphierten zur Halbzeit des Dreißigjährigen Kriegs. Gleichzeitig nahmen die Spannungen zu. Denn die zentralistischen Bestrebungen des Kaisers riefen tiefes Misstrauen auch der katholischen Fürstenhäuser hervor. Sie forderten zudem die Entlassung des kaiserlichen Feldherrn Wallensteins, der durch Kaiser Ferdinand II. das Herzogtum Mecklenburg erhielt, den Besitz des Fürstentums Sagan in Schlesien bestätigt und noch zum "General des ozeanischen und baltischen Meeres" ernannt wurde. Zuviel Macht für einen siegreichen Feldherrn. Kaiser Ferdinand II. entließ schließlich Wallenstein im Jahr 1630.

3. Schwedischer Krieg (1630-1635)
Der Sieg der kaiserlichen Truppen in Norddeutschland führte schließlich zum Eingreifen des protestantischen schwedischen Königs Gustav Adolf. Er zog mit seinem Heer von Schweden bis nach München, eroberte auch Augsburg und veranlasste damit den Kaiser, seinen entlassenen Feldherrn Wallenstein wieder in sein Amt zu berufen. Wallenstein wurde mit allen Vollmachten und Privilegien ausgestattet, stelle ein neues Herr auf und zog in den Kampf. Nach der Überwinterung aller schwedischen Truppen in Süddeutschland gingen die Kämpfe im Jahr 1632 erst richtig los. In der Schlacht bei Lützen, die unentschieden ausging, fiel der Schwedenkönig Gustav Adolf im Jahr 1632. Zwei Jahre später wurden die schwedischen Truppen und die ihnen verbündetet protestantischen Fürsten bei Nördlingen von den kaiserlichen Truppen vernichtend geschlagen. Die Niederlage führte zum Prager Frieden im Jahr 1635. Der siegreiche Feldherr Wallenstein dagegen wurde 1634 in Eger ermordet. Er hatte eigenmächtig Friedensverhandlungen aufgenommen und wurde vom Kaiser des Hochverrats bezichtigt.

4. Schwedisch-Französischer Krieg (1635-1648)
Die vierte Phase des Kriegs begann mit dem Eintritt Frankreichs in das Geschehen. Frankreich stand in jener Zeit noch unter dem Einfluss Richelieus und versuchte nun, die Vormachtstellung des Haus Habsburg einzuschränken und selbst zur Großmacht aufzusteigen. Der ursprüngliche Religionskrieg war endgültig zu einem Machtkampf nationaler Großmachtinteressen geworden, der Streit um Land und politischen Einfluss. Es kam zu zahlreichen Kämpfen, unter denen besonders Süddeutschland zu leiden hatte. Die ausgeglichenen Armeen und die allgemeine Kriegsmüdigkeit führten schließlich 1648 endlich zum Westfälischen Frieden. Deutschland wurde durch den 30 Jahre andauernden Krieg in seiner politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung weit zurückgeworfen. Viele Städte und Dörfer waren verwüstet, ganze Landstriche waren bevölkerungsleer. Frankreich war nun das bevölkerungsreichste Land Europas, wodurch es nun zur politischen, wirtschaftlichen und militärischen Großmacht aufstieg.

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