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Sunndig | 21.09.14 | 00:02
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Kloster Rheinau

Schon bald nach dem berühmten Laufen bei Neuhausen und dem weithin bekannten Rheinfall bei Schaffhausen holt der Rhein zu einer erneuten kulturellen und landschaftlichen Überraschung aus. Die Doppelschleife bei Rheinau mit der Insel im Zentrum ist ein besonderes Kulturdenkmal. Schon in frühesten Zeiten boten sich den Menschen die beiden ineinander greifenden Halbinseln bei Rheinau (Schweiz) und Altenburg (Baden) zur Besiedlung im Schutze des Flusslaufs geradezu an.

Klosterkirche Rheinau


Der Zugang zur Rheinauer Landzunge wurde bereits in der Bronzezeit mit Wall und Graben gesichert. Im frühen Mittelalter gründete man auf der Flussinsel ein Kloster, dieses entwickelte sich zur Benediktinerabtei Rheinau. Auf dem Festland entstand ein Dorf der Handwerker und Kaufleute des Klosters.

Der Überlieferung nach wurde das Kloster Rheinau um das Jahr 778 gegründet. Mitte des neunten Jahrhunderts soll der irisch-keltische Wandermönch Findan dort ein asketisches Leben geführt haben. Findan wurde vermutlich um das Jahr 800 n. Chr. im irischen Leinster als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren. Er unternahm in jungen Jahren eine Wallfahrt nach Rom, weil er nach einem Gelöbnis aus der Gefangenschaft befreit wurde. Um das Jahr 847 kam er in das Land der Alemannen und trat 851 ins Kloster Rheinau ein, wo er ab 859 als Inkluse bzw. Eingeschlossener in einer Zelle lebte. Findan starb am 15. November 878 in Rheinau. Seine Gebeine werden bis heute in Rheinau aufbewahrt. Im Jahr 1446 wurde ein Grab gefunden, welches in der Klosterkirche mit einem reich bebilderten, sarkophagähnlichen Grabmal gekennzeichnet und dem Wandermönch zuzuordnen ist.

Die urkundlich nachweisbare Geschichte der Benediktinerabtei begann erst im 11. Jahrhundert. Im Jahr 1114 wurde die romanische Basilika geweiht, und um 1120 begannen die Mönche, eine heute noch vorhandene Urkundensammlung anzulegen. Obwohl in diesen Urkunden und späteren Bestätigungen deutsche Könige und Kaiser das Kloster mit zahlreichen Rechten ausstatteten und ihm die freie Wahl des Abtes und des Schirmvogtes zusicherten, wurde die Selbstständigkeit der Abtei durch verschiedene Schirmvögte beeinträchtigt. Daher kam es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen den Schirmvögten und dem Kloster, die sich meistens zum Nachteil des Klosters entwickelten.

Die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts ist gezeichnet vom Machtanspruch der Grafen von Sulz, welche den Rheinauer Abt mehrmals in Gewahrsam nahmen. Doch mit der Hilfe der Schweizer Eidgenossenschaft und des benachbarten Schaffhausen wurden die Grafen von Sulz besiegt und die Einflussnahme gestoppt. Mit der Wahl der Eidgenossenschaft als neuer Schirmherr im Jahre 1455 war das Kloster fortan von Zugriffen weltlicher Herrscher befreit. Während des Bauerkriegs blieb das Kloster weitgehend unbeschadet. Im Jahr 1529 wurde auch das Kloster Rheinau vom Geist der Reformation und deren Folgen erfasst. Der Abt und das Konvent mussten fliehen, vieles ging in Flammen auf, Bilder, Urkunden und Altäre wurden zerstört.

Doch bereits 1532 wurde das Münster wieder eingeweiht, der alte unreformierte Glauben kehrte nach Rheinau zurück, und in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in der Zeit der Gegenreformation, entstanden unter dem baufreudigen Abt Theobald Werlin von Greiffenberg zahlreiche Neubauten. Dazu zählt auch der Klosterkeller, der heute als Weinlager dient und auch für Weinführungen zur Verfügung steht.

Kloster Rheinau


Die prächtigste Blüte erlebte das Rheinauer Kloster jedoch erst im 18. Jahrhundert unter Abt Gerold II. Zurlauben. Im Jahr 1710 wurde die barocke Klosterkirche geweiht, 1717 wurde der östliche Konventflügel fertig gestellt und 1744 waren die letzten Bauphasen abgeschlossen. Für die Neubauten ließ der Abt den Architekten Franz Beer aus Vorarlberg kommen.

Die Wirren der in Frankreich 1789 begonnenen Revolution erreichten das Kloster Rheinau im Jahre 1799. Es wurde aufgelöst und erst 1803 durfte es wieder seine Pforten eröffnen. Doch der endgültige Untergang stand dennoch kurz bevor. Im Jahr 1834 stellte man das Kloster Rheinau unter staatliche Aufsicht und 1836 ein Novizenverbot ausgesprochen. 1859 fand dann schließlich die Wahl des letzten Abtes statt, der für gerade noch elf Klosterbrüder zuständig war. Durch einen Kantonsratsbeschluss wurde das Kloster Rheinau 1862 endgültig aufgegeben. Die Klostergebäude baute man zur Kantonalen Heil- und Pflegeanstalt um.
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