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Baden-Württemberg

Urbanskirche Herdern

Obwohl das Dorf Herdern bereits in den Jahren 1008 und 1190 urkundlich erwähnt wird, erscheint die Existenz einer Kirche erst im Jahr 1239. In diesem Jahr verpfändete Graf Rudolf von Habsburg das Patronatsrecht über die Herdermer Kirche an den Bischof von Straßburg. Schon im frühen Mittelalter hatte die Kirche in Herdern seinen eigenen Pfarrer. Dieser erhielt von der ansässigen Bevölkerung den Zehnten. Daraus lässt sich schließen, dass die Stelle des Pfarrers schon längere Zeit bestand und eine wichtige Stellung in Herdern einnahm. Am 25. November 1442 wurde die Kirche in Herdern vom Konstanzer Bischof Heinrich von Hewen an das Deutschordenshaus in Freiburg übertragen. Damit ist in den folgenden Jahrhunderten das Deutschordenshaus für die Breitstellung des Pfarrers, der Durchführung des Gottesdienstes und der Instandhaltung der Kirche zuständig. Denn als im Jahr 1457 Herdern an Freiburg verkauft wurde, behielt das Deutschordenhaus den Kirchensatz in Herdern mit all seinen Rechten, Pflichten und Einkünften. Dies führte häufig zu Streitereien zwischen Herdermer und dem Ritterorden, denn das Deutschordenshaus kam dieser Verpflichtung selten nach und ließ in schlechten wie auch in guten Zeiten die kleine Urbanskirche im Herzen des Dorfes verfallen.

Der Schutzpatron der Winzer, der heilige St. Urban, ist Namensgeber und Schutzheiliger der Urbanskirche. Dies ist ein Zeichen, das Herdern früher überwiegend von Weinbauern bewohnt wurde. Im Mittelalter bestand das Kirchle aus einem Langschiff und einem kleiner wuchtiger Turm mit Satteldach. Um die Kirche herum war der Dorffriedhof angelegt, auf dem bis ins Jahr 1839 die Herdermer beerdigt wurden. Abgeschlossen wurde das Kirchenareal durch eine Ringmauer. Bis ins 19. Jahrhundert diente das Kirchle des kleinen Winzerdorfs als Gotteshaus. Doch die baulichen Mängel und auch die gestiegenen Ansprüche veranlassten die Herdermer, eine neue Kirche zu bauen. Im Jahr 1839 riss man die alte romanische Kirche ab und begann mit dem Bau des neuen Kirchengebäudes an selbiger Stelle. Der seit 1837 amtierende Pfarrer Protas Schanno legte den Grundstein für das neue Gotteshaus, der heute noch samt Urkunde unter dem Kirchturm eingemauert liegt.

Die feierliche Einweihung der neuen Urbanskirche erfolgte am 18. Oktober 1841 unter der Anwesenheit von Hermann Vicari, dem damaligen Weih- und späteren Erzbischof von Freiburg. Die neue Kirche bot nun doppelt soviel Platz wie früher und hatte einen doppelt so hohen Turm. Doch das dreischiffige Kirchenhaus hatte zu Beginn fast keine Innenausstattung. Es gab weder Kirchenschmuck, Kanzel, Kommunikationsbank, Kirchenorgel, Taufstein oder Altarbilder. Diese zu einer Kirche gehörende Ausstattung sammelte sich erst im Laufe der Jahre an. Unter anderem hatte der bekannte Künstler Fritz Geiges später bunte Glasfenster für die Seitengänge entworfen, die noch heute teilweise in der Urbanskirche zu sehen sind.

Der Kirchenturm bekam bereits 1843 neue Glocken für den Glockenstuhl und seit 1845 zeigt eine Turmuhr den Herdermer die Uhrzeit an. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts drohte Ungemach für die noch junge Kirche. Durch den explosionsartigen Anstieg der Freiburger Bevölkerung wuchsen auch die Stadt Freiburg und das Dorf Herdern zusammen. Dadurch stieg auch die Zahl der Katholiken und der Kirchenbau aus dem Jahr 1841 erwies sich erneut als zu klein. Man begann nun erneut, über einen Neubau der Urbanskirche nachzudenken. Auf Initiative des damaligen Pfarrers Ignaz Kessler wurde 1911 eine Kirchenbauverein gegründet. Dieser kümmerte sich um die Belange des Neubaus und sollte vor allem für das nötige Kleingeld sorgen. Zusätzlich wurden Gelder bewilligt, so dass eigentlich 1914 dem Bau der Kirche aus finanzieller Sicht nichts mehr im Wege stand.

Doch dann breitete sich eine dunkle Wolke über Europa aus und bis 1918 tobte der Zweite Weltkrieg im Herzen des Kontinents. In der Notzeit gelang es zwar, 1915 das Gelände für den Kircheneubau zwischen Burgunder-, Lärchen- und Schlüsselstraße zu erwerben, doch die Nachkriegszeit und die folgende Inflationszeit machten aus dem angesammelten Kirchenbauvermögen und den bewilligten Darlehen ein Tropfen auf den heißen Stein. Zusätzlich brachte die Einweihung der Konradskirche im Stadtteil Brühl-Beurbarung eine Entlastung Ende der Zwanziger, so dass die Pläne eines kompletten Neubaus des Gotteshauses in Herdern nun völlig fallengelassen wurden. Mitte der Dreißiger begann erneut eine Diskussion über die Neubau oder einer Erweiterung des Herdemer Gotteshauses. Aus finanziellen Gründen verzichtete man auf einen kompletten Neubau an dem Jahre zuvor erworbenen Grundstück an der Burgunderstraße und verkaufte es an die Stadt Freiburg zurück.

Ende April 1935 fand in der Urbanskirche ein Abschiedgottesdienst statt und schon kurze zeit später erfolgte der Abriss des Gotteshauses aus dem Jahr 1841. Einzig der Kirchenturm blieb erhalten, so dass rein äußerlich der Eingriff in das Bild Alt-Herderns nicht weiter auffiel. Am 18. Oktober 1936 war die offizielle Einweihung der Urbanskirche. Neben den zahlreichen Gläubigen war auch der Freiburger Erzbischof Conrad Gröber anwesend, dessen Segen die neue Urbanskirche nach eineinhalbjähriger Bauzeit bekam.

Erster Pfarrer der neuen Urbanskirche war Albert Rüde, der 1937 von Georg Schlak abgelöst wurde. Als dieser 1955 verstarb, übernahm die Pfarrei Erminold Jörg. In seiner Amtszeit wurde die Kirche 1961 renoviert und baulich leicht verändert. 1962 verstarb Pfarrer Jörg plötzlich und als Nachfolger kam der junge Pfarrer Franz Kern. Der aus Sölden im Hexental stammende Franz Kern blieb 21 Jahre in Herdern und ist vielen Menschen aus Herdern noch in bester Erinnerung. In seiner Zeit wurde die Urbanskirche 1974 renoviert. Aus dieser Zeit stammen der Tabernakel und das Lesepult. Im Jahr 1983 verabschiedete sich Pfarrer Franz Kern aus Herdern und übernahm die Pfarrei St. Gallus in Kirchzarten. Als Nachfolger kam Pfarrer Konrad Hauser. Zu seiner ersten wichtigen Aufgabe in Herdern zählte, die durch Umwelteinflüsse äußerliche heruntergekommene Urbanskirche zu renovieren. Sie strahlte schließlich pünktlich zum 50igjährigen Jubiläum 1986 in neuem Glanz.
Urbanskirche Herdern

Foto: Urbanskirche Herdern

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