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Dunnschdig | 24.07.14 | 02:16
Baden-Württemberg

Schlossberg Freiburg

Der Hausberg der Altstadt liegt mitten in Freiburg und blickt auf eine bewegte Geschichte mit allen Höhen und Tiefen zurück. Wenn man heute über den Berg spaziert, lässt sich kaum mehr erahnen, welche Bedeutung er für die Menschen der Stadt hatte und wie er das Schicksal der Region seit dem Mittelalter bestimmte. Vom Kanonenplatz genießt man heute den Ausblick in den Breisgau, auf den Feldberg, den Schönberg und natürlich über die Dächer von Freiburg. Überall gibt es Wege, die zum Spazieren einladen und zahlreiche Ruhebänke erleichtern das Verweilen. Die Geschichte des Schlossberg beginnt bereits vor rund 2000 Jahren. Der Oberrhein war von Römern besetzt und sie bauten ihre Handelswege über den Schwarzwald, bauten Städte, militärische Lager, Versorgungshöfe und Badethermen wie in Badenweiler.

Bis Dato aber konnte nicht ermittelt werden, ob ein keltischer Stützpunkt auch auf dem Schlossberg bestand. Doch ab dem 1. Jahrhundert hatten vermutlich römische Soldaten oder Siedler eine kleine Villa bzw. Wachturm zur Kontrolle des Dreisamüberganges auf dem Schlossberg gebaut, da man 1819 bei der Ludwigshöhe römische Steinmosaike fand. Im Dreisamtal lag die große keltische Siedlung Tarodunum und die Handelswege durch das Dreisamtal und den Breisgau trafen sich am Fuße des Schlossberges. Auch die Römer nutzten die Handelswege für ihre wirtschaftlichen und militärischen Interessen. Entlang der Händelswege bauten sie in regelmäßigen Abständen kleine Wachtürme oder Stationen, wo sich die Reisenden und die Pferde erholen konnten. Als durch die Völkerwanderung und die Erstürmung des Limes sich die Römer ab dem 4. Jahrhundert zurückzogen, verfielen die alten Straßen und Gebäude der Römer und Kelten.

Die Alemannen waren dann die neuen Herren über den Breisgau und den gesamten heutigen süddeutschen Raum. Sie brachten ihre eigene Kultur und Siedlungspolitik mit. So lebten die Alemannen in kleinen Sippen weit verstreut. An Tauausgängen oder in kleinen kultivierbaren Tälern bauten sie ihre Wohnhäuser, alemannische Fürsten dagegen zogen sich oft auch auf höhere Gelegen Gebiet oder geschützten Bergkuppen zurück und errichteten eine frühzeitliche Fliehburg . Eine solche Siedlung bestand z.B. auf dem Zähringer Burgberg. In jener Zeit war der Schlossberg noch das Zuhause zahlreicher Tiere wie Bären und Wölfe. Noch bis vor wenigen Jahrhunderten nannte man die Straße entlang des Schlossberges Wolfshöhle. Erst ab dem 10. Jahrhundert erwachte der Berg aus seinen Schlaf. Der Breisgau wurde das politische Zuhause der Zähringer Herzöge, die ursprünglich aus dem schwäbischen Raum stammen. Sie bauten sich erst ein Jagdhütte auf der heutigen Ludwigshöhe und später eine Burg. Später ging diese Burganlage namentlich als Leopoldsburg in die Geschichte der Stadt ein.. Heute sieht man nur noch minimalsten Spuren dieser Burg, wie z.B den Halsgraben. Um sich von der Bergseite vor Angriffen schützen zu können, gruben sie nördlich der Ludwigshöhe einen Halsgraben. Mehr Spuren der mittelalterlichen Burg gibt es leider nicht.

Die Burg auf dem Schlossberg entwickelte sich schnell zum Machtzentrum der Zähringer Herzöge und die verwalteten erfolgreich gewachsenen Herrschaftsgebiet, das von der Ortenau, dem Südschwarzwald bis in die Schweiz reichte. Sie gründeten zahlreiche Städte wie Offenburg, Bern, Neuenburg und schließlich auch zu Füßen ihrer Burg auf dem Schlossberg die Stadt Freiburg. 1120 war die offizielle Übergabe der Marktrechte und Freiburg mauserte sich schnell zu einer blühenden Stadt. Mehrmals wurde die Burg bereits im Mittelalter von fremden Truppen belagert. 1146 stand Friedrich Barbarossa mit seinen Truppen vor der Burg, 1279 ein weiteres Mal. Doch hielten sich die Zerstörungen in Grenzen. Am Anfang lebten die auch Freiburger Bürger und ihre Herrscher in Eintracht miteinander. Doch als die Zähringer Herzöge mit dem Tod Bertold V. ausstarben, erbten die Grafen von Urach das Zähringer Herrschaftsgebiet und die Stadt zu Füßen des Schlossbergs.

Freiburg war bald nach seiner Gründung durch den Silberbergbau am Schauinsland, Münstertal und dem Suggental reich geworden. Die Grafen versuchten durch Abgaben und Steuern, ihre eigenen Finanzprobleme zu lösen. Dies führte zu Streitigkeiten, so dass im Jahr 1299 Freiburger Bürger die Burg angriffen und sie teilweise zerstörten. Dadurch erreichten sie eine größere Unabhängigkeit von den Grafen, auf der anderen Seite wurde die Burg auf dem Schlossberg nun zu einer regelmäßigen Bedrohung. Als im Jahr 1368 Freiburg habsburgerisch wurde, ging auch die Burg auf dem Schlossberg endlich in den Besitz der Stadt. Sie setzte einen eigenen Burgvogt ein und zu offiziellen Anlässen wurde die Burg repräsentativ eingesetzt. Spätestens nach dem Bauernkrieg 1525 verfiel die Burg, da sie militärisch an Bedeutung verloren hatte. Die Natur eroberte den Schlossberg zurück. Lediglich aus strategischen Gründen wurden Teile der Burg erhalten, hätte ein Angriff auf die Stadt doch auch über den Schlossberg kommen können.

Mit dem Dreißigjährigen Krieg änderte sich die Lage im europäischen Machtgefüge. Freiburg und große Teile des Elsass waren ein Teil des mächtigen Kaiserreich Österreich und wurden unter dem Namen Vorderösterreich politisch zusammengefasst. Doch im Westfälischen Frieden verlor Österreich das Elsass an Frankreich und Freiburg wurde nun zur Grenzstadt. Kaiser Leopold befahl 1668, die zerfallenen Burg zu einer kleinen Festung auszubauen, um Freiburg und das Dreisamtal abzusichern, weshalb die Burg auf dem Schlossberg den Namen Leopoldsburg erhielt.

1677 standen erstmals Französische Truppen vor Freiburg und sie eroberten die Stadt und die Burg auf dem Schlossberg. Sie begannen sofort, Freiburg und den Schlossberg als gigantische Festung auszubauen. Vom Schwabentor über den oberen Schlossberg bis ins Immental reichte die fertig gestellte Festungsanlage auf dem Schlossberg. Gewaltige Bastionen und Schanzen wurden entlang der Hänge angelegt, zeitweise waren bis zu 6.000 Soldaten in der Festung stationiert. Der Festung auf dem Schlossberg glich einer Kleinstadt, mit eigener Kirche, Bäckerei , Wohnhäuser und anderen Handwerksbetrieben.

Auch die Stadt selbst wurde neu befestigt und bekam einen Festungsring um die Altstadt angelegt. 1697 wurde Freiburg wieder Habsburgerisch. Als Alternative zu Freiburg baute der französische Festungsbaumeister Vauban eine Festung in Neuf-Brisach (Neu-Breisach). Im Jahre 1744 kam es erneut zu einer Besetzung Freiburgs durch Frankreich zur Zeit des Österreichischen Erbfolgekrieges. In einer wochenlangen Schlacht gewannen die Franzosen die Auseinandersetzung, besetzten die Stadt aber nicht dauerhaft. Stattdessen sprengten sie die gesamte Festungsanlage von Vauban tagelang in die Luft. Freiburg und sein Schlossberg war danach ein Trümmerhaufen.

Nun eroberte wieder die Natur den Schlossberg zurück. Bäume überdecken seither den Bergrücken. Die letzten Mauerreste der mittelalterlichen Burg sowie der französischen Festungsanlage dienten der Freiburger Bevölkerung als Steinbruch. Die strategisch historische Bedeutung des Berges war zu Ende.

Seit der Zerstörung der Festungsanlage im Jahr 1745 vegetierte der Schlossberg dann bis 1819 vor sich hin. Freiburger Bürger nahmen ihn nur wahr, wenn sie Steine für ihre Häuser suchten. An der Südseite und der Westeseite des Berges pflanzte man Reben an. 1819 erwarb die Stadt ein Großteil des Berges, der sich in Privatbesitz befand und legte insbesondere rund um den Kanonenplatz eine kleine Parkanlage an mit Sitzbänken, Lauf- und Wirtssaftwegen an. Aus jener Zeit stammt auch die Ludwigshöhe als Aussichtspunkt, benannt nach dem damals amtierenden Badischen Großherzog Ludwig I. Im Jahr 1820 feierte die Stadt Freiburg ihr 700jähriges Bestehen und der geschichtsträchtiger Schlossberg rückte wieder in den Mittelpunkt der Stadt und seiner langen schicksalshaften Bedeutung.

Der direkte Aufstieg zum Kanonenplatz führt direkt bei der Brücke am Schwabentor in Serpentinen hoch. Seit 1876 steht zu Beginn das Wasserreservoir. Zwei Serpentinen weiter erreicht man das Greiffenegg-Schlössle, das zu Beginn des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. Hermann von Greiffenegg baute sich das Anwesen als Alterssitz. Sein Sohn verkaufte es 1840 an einen Bierbrauer. Seither zählt es zu den beliebtesten Ausflugslokalen in Freiburg. Im Sommer trinkt man unter Kastanienbäumen sein Bier und genießt die frische Luft oberhalb der Stadt.

Ein weitere alter Weg führt direkt vom Stadtgarten auf den Kanonenplatz. Er diente schon im Mittelalter wohl den zahlreichen Pferdekarren, die Nahrung und Munition auf die Burg brachten. Weitere Wege vom Stadtgarten aus legte man in den Jahren 1889 und 1895 an. Seit 1882 steht oberhalb des Stadtgartens das Restaurant Dattler. Die Straße, die von Herdern über das Immental hochführt, baute man bereits 1880. Überall auf dem Schlossberg begann man zusätzliche Wanderwege anzulegen und auch die breiten Waldwege vom Schlossberg nach St. Ottilien bzw. zum Jägerhäusle (Hotel Merkur) nach Herdern stammen aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert.

Kleine Sehenswürdigkeiten sind heute noch über den Schlossberg verstreut zu finden. Kleine Pfade führen direkt auf die obere Ebene des Schlossberges. Dort, wo einst die Wohngebäude der Militärs, eine Kirche und die großen Schanzen standen, finden sich heute noch spärliche Spuren der französischen Festung in der Landschaft.

Auf dem Petersfelsen steht seit 1900 der Bismarckturm, darunter liegt noch eine alte zerbombte Kasematte. Dort lagerte die Franzosen ihre Munition und sie waren im Inneren des Fels vor feindlichen Kugeln geschützt. Zwischen die Hochgewachsen Bäumen schlug man Schneisen, dass den Blick auf Dreisamtal, Feldberg, Münster, Immental und Herdern frei war.

Das Salzbüchsle auf dem oberen Schlossberg ist der Rest der früheren Sternschanze. Hier erreicht der Schlossberg auch bald mit fast 450 Metern seinen höchsten Punkt und liegt knapp 200 Meter über der Stadt Freiburg. Seit einigen Jahren erhebt sich auf dem Salzbüchsle ein Aussichtsturm, der den Blick auf die Altstadt, den Breisgau und das Dreismatal bestens ermöglicht. Viele Wege führen auf und vom Schlossberg weg. Im Nordosten geht es auf die Höhen des Rosskopfes, im Osten gelangt man in einer halben Stunde auf einem breiten Schotterweg nach St. Ottilien. und den Freiburger Osten.
Schlossberg Freiburg

Foto: Schlossberg Freiburg

Bilder Schlossberg Freiburg

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