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Dunnschdig | 17.04.14 | 05:54
Baden-Württemberg

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Badnerland

Das Badnerland war zwischen den Jahren 1806 bis 1945 ein weitgehend selbstständiger deutscher Staat und ist in seiner Gesamtheit seit 1952 ein Landesteil von Baden-Württemberg. Im Mittelalter herrschten auf dem Gebiet Badens verschiedene Linien des gleichnamigen Adelsgeschlechts, die zwar den Zusatz "Baden" im Namen führten, jedoch unterschiedliche Regionen umfassten. Der weitaus größere badische Landesteil gehörte zum Haus Habsburg (Vorderösterreich) oder kleineren weltlichen und kirchlichen Herrschaften.

Napoleon formte Anfang des 19. Jahrhunderts das Großherzogtum Baden und mit der Gründung des Deutschen Reichs 1871 wurde das Großherzogtum Baden zum deutschen Bundesstaat, dessen Grenzen bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs bestehen blieben. Von 1947 bis 1952 bestand ebenfalls ein Land "Baden", das aber nur aus der Südhälfte des historischen Badens bestand und deshalb meistens als Südbaden bezeichnet wird.

Nordbaden mit den Zentren Mannheim, Heidelberg, Pforzheim und Karlsruhe war in dieser Zeit Teil des Landes Württemberg-Baden und strebte ein gemeinsames Bundesland Baden-Württemberg an (Südweststaat), während Südbaden seine Selbstständigkeit bewahren wollte. Im Jahr 1952 vereinigen sich Südbaden und Nordbaden (Württemberg-Baden) wieder im neu geschaffenen Bundesland Baden-Württemberg. Größere Orte in Südbaden sind Baden-Baden, Rastatt, Freiburg, Offenburg, Konstanz, Waldshut-Tiengen, Lörrach, Villingen. Nordbaden wird durch die Städte Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg geprägt.

Die Wurzeln der Badner lassen sich in das 11. Jahrhundert zurückverfolgen und stehen in engen Zusammenhang mit den Zähringer Herzögen. Eine wesentliche Rolle spielt bei der Entstehung der badischen Herrschaften die Verlagerung der Herrschaftszenten aus dem Schwäbischen Raum an den Oberrhein. Der Familienstamm der Zähringer, aus dem sich später auch die badischen Markgrafen entwickelten, stammte aus Weilheim an der Teck, wo mit der Limburg die Stammburg des Geschlechts stand. Die Zähringer behielten nach 1073 den Anspruch, den Titel "Herzog" und "Markgraf" weiterzuführen. Der Herzogstitel stammte vom Herzogtum Kärnten, während der Markgrafentitel von der mit diesem verbundenen Markgrafschaft Verona in Zusammenhang steht. Die Bertholde der Zähringer Familie, die sich zunehmend auf die Baar und den Breisgau konzentrierten, nannten sich weiter "Herzöge", die Hermanne, die den Familienzweig der Badner begründeten, konzentrierten sich auf den Titel des Markgrafen und wurden erstmals um das Jahr 1100 als Markgrafen von Limburg beurkundet. Die Grablege der Familie befand sich zu dieser Zeit im Haus- und Familienkloster Weilheim in direkter Nähe der dortigen Stammburg. Für die weitere Entwicklung der Zähringer Herrschaft und vor allem für die Verlagerung aus dem Neckarraum an den Oberrhein sind zwei Vorgänge von besonderer Bedeutung: zum einen beerbte Berthold seinen Schwiegervater und Mitkämpfer im Investiturstreit, den Grafen Rudolf von Rheinfelden, zum anderen erhielt Markgraf Hermann im Jahr 1098 vom König die Grafschaftsrechte im Ufgau, eine historische Landschaft in Baden-Württemberg, am nordwestlichen Rand des Schwarzwalds gelegen.

Die Folge der Verlagerung war die Konzentration der Herrschaft in die Oberrheinregion mit dem neuen Sitz auf der Burg Hohenbaden oberhalb von Baden-Baden. Hier erscheint erstmals die Markgrafschaft Baden als Teil des Stammesherzogtums Schwaben. In jene Zeit fällt auch die Verbindung der Markgrafschaft mit den Herzögen von Zähringen. Der damalige Markgraf Hermann ist ein Sohn des Herzogs Bertholds I. von Zähringen und Enkel Hermanns IV. von Schwaben. Der Markgrafentitel leitet sich von der Mark Verona ab, in die Hermann I. unter Heinrich IV. (1061) eingesetzt wurde. Nach Einheiraten bei der Burg Baden (Hohenbaden bzw. Altes Schloss oberhalb von Baden-Baden) im Oostal nannte sich der Sohn des Markgrafen Hermann, Hermann II., erstmals Markgraf von Baden. Durch weitere Erbschaften und zusätzlichen Landgewinn durch Heirat seiner Nachfolger wurde das Territorium Badens in der Rheinebene vergrößert.

Das badische Ursprungsgebiet unterteilte sich im ausgehenden Mittelalter in die Herrschaftsgebiete Baden-Durlach (bei Karlsruhe), Baden-Baden, Baden-Hachberg bei Emmendingen sowie Sausenburg-Rötteln bei Lörrach rund um das untere Wiesental. Davon blieben im 16. Jahrhundert zwei große Blöcke übrig. Im Jahr 1535 war Baden in die beiden Teilgrafschaften Baden-Baden und Baden-Durlach geteilt. 1771 beerbte die Durlacher Linie die Linie Baden-Baden, nachdem es dort keine männlichen Nachkommen mehr gab. Einen größeren Gebietsverlust erlitt das Großherzogtum gegen Ende des 18. Jahrhunderts, als die linksrheinischen Gebiete an Frankreich verloren gingen. Im Reichsdeputationsbeschluss vom 1803 wurde Baden zum Kurfürstentum erhoben und durch zahlreiche kleinere um das Stammgebiet liegende Territorien auf fast die doppelte Fläche vergrößert.

Im Jahr 1805 erwarb Baden vom Herzog von Modena darüber hinaus den größten Teil des Breisgaus und weitere Gebiete. Mit dem Beitritt zum Rheinbund im Jahr 1806 wurde Baden zum Großherzogtum erhoben und wurde nochmals um weitere Gebiete in Süddeutschland vergrößert. Schließlich erhielt Baden 1810 seine endgültige Größe von etwa 15.000 qkm und hat damit somit innerhalb von 15 Jahren sein Staatsgebiet mehr als vervierfacht. Die Einwohnerzahl Badens hatte sich durch den Gebietszuwachs sogar verfünffacht. Das Großherzogtum Baden erstreckte sich nun von Konstanz über den Hochrhein bis nach Lörrach, von dort über Freiburg, Offenburg, Baden-Baden und Karlsruhe bis nach Mannheim und Heidelberg.

Im Jahr 1810 nahm Baden einen angepassten Code Napoleon als Badisches Landrecht an und erhielt 1818 eine eigene Verfassung. Das Großherzogtum wurde eine konstitutionelle Monarchie. Die Revolution 1848/1849 spielt in der badischen Geschichte eine bedeutende Rolle. Das Großherzogtum Baden war im 19. Jahrhundert ein Land, in dem sich Demokratie und Parlamentarismus freier entwickeln konnten als anderswo. Hier fanden die Ideen der Revolution von 1848/49 daher einen reichen Boden, hier fand zudem die Reichsverfassung von 1849 einen starken Rückhalt in der Bevölkerung. Die Revolution von 1848/1849 konnte schließlich nur mit Hilfe preußischer Truppen niedergeschlagen werden. Dadurch veränderte sich die politische Selbstständigkeit des Großherzogtums. Der Einfluss Preußens auf die badische Politik nahm zu. Trotz der Teilnahme Badens auf Seiten Österreichs im Deutschen Krieg des Jahres 1866 hatte dies im Gegensatz zu anderen Fürstentümer auf dem deutschen Reichsgebiet keine weiteren Folgen. Während manche Länder nach der Niederlage Österreichs 1867 von Preußen annektiert wurden, konnte Baden seine Selbstständigkeit wahren. Am 15.11.1870 trat Baden dem 1867 gegründeten Norddeutschen Bund bei und wurde 1871 ein Teil des Deutschen Kaiserreichs.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Großherzog Friedrich II. abdanken. Das Großherzogtum Baden wurde Freistaat und erhielt am 21.03.1919 eine republikanische Verfassung. Im März 1933 übernahmen die Nationalsozialisten die Macht in Baden. Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zerfall des Deutschen Reiches wurde Baden zwischen den Besatzungsmächten USA und Frankreich aufgeteilt. Der Norden kam unter die Kontrolle der USA und wurde ein Teil des Landes Württemberg-Baden. Der Süden wurde als Südbaden selbstständig. Im Jahr 1952 wurde trotz einer Mehrheit in Südbaden gegen eine Vereinigung mit Württemberg-Baden das Land Baden-Württemberg gebildet.

In Baden spricht man anders als in Bayern und in Sachsen, als in Schleswig-Holstein oder in Berlin, dass fällt jedem sofort auf. Wie viele andere Sprachen, sei es in Bayern (Bayrisch) oder Hessen (Hessisch), gab man der Sprache des Landes Baden den Übernamen Badisch. Die allgemein als Badisch bezeichnete Sprache gibt es aber eigentlich nicht. Denn die geographische Lage Badens umfasst sowohl den südfränkischen Dialekt, der um Karlsruhe, Pforzheim und Rastatt gesprochen wird, als auch die alemannische Sprache, die man in Südbaden spricht. Südbaden erstreckt sich südlich von Rastatt bis nach Basel am Rheinknie und von dort bis nach Konstanz am Bodensee. Um die nordbadischen Städte Mannheim und Heidelberg wird mit dem Kurpfälzischen ein pfälzischer Dialekt gesprochen. Da das Großherzogtum Baden zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus vielen verschiedenen Gegenden durch Napoleons Gnaden willkürlich zusammengesetzt wurde, gehören seither zu Baden ebenso die dort verschiedenen gesprochenen Sprachen, so dass Badisch eigentlich keines Sprache, sondern ein Kunstwort ist.

Das Land Baden hat in seiner Geschichte viele populäre Persönlichkeiten hervorgebracht. Bernhard II. von Baden (1428–1458) wurde 1479 selig gesprochen. Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden-Baden, genannt der Türkenlouis (1655-1707), war Regent der Markgrafschaft Baden-Baden, Bauherr des Rastatter Schlosses, aber berühmt wurde er als Generalleutnant aller kaiserlicher Truppen und ein siegreicher Feldherr in den Türkenkriegen. Der erfolgreichste unter den badischen Herrschern dürfte wohl Karl Friedrich von Baden sein. Er wurde am 22. November 1728 in Karlsruhe geboren. Seit 1747 war Karl Friedrich von Baden Markgraf von Baden-Durlach, 1771 folgte durch Erbschaft die Vereinigung mit der Seitenlinie Baden-Baden. Ab 1803 war Karl Friedrich von Baden Kurfürst, ab 1806 schließlich Großherzog, mit einem durch Napoleons besondere Gunst beträchtlich erweiterten Staatsgebiet. Mit 73 Jahren Amtszeit gilt er als einer der am längsten regierenden Monarchen der Geschichte. Während seiner Amtszeit vervielfachte sich sowohl die Fläche des Landes Baden als auch die Bevölkerungszahl. Er galt als aufgeklärter Souverän, sein "badisches Musterländle" war europaweit bekannt.

Prinz Max von Baden war der letzte Kanzler des deutschen Kaiserreichs. Neben den badischen Herrschern sind es auch die Bauherren, Tüftler und Erfinder, die Baden bekannt machen. Karl Drais entwickelte mit der Draisine ein Fahrrad, als der Erfinder des Automobils gilt Carl Benz und Felix Wankel ist der Erfinder des Wankelmotors, ein so genannter Rotationskolbenmotor. Johann Gottfried Tulla (1770-1828) war ein badischer Ingenieur, der im 19. Jahrhundert die Rheinbegradigung durchführte und das Aussehen des Oberrheins völlig veränderte. Robert Gerwig (1820-1885) gilt als bedeutender badischer Bauingenieur und Politiker in Baden. Er war vor allem mit dem Bau von Eisenbahnen beschäftigt. Dazu gehören unter anderem die Höllental- und Schwarzwaldbahn, aber auch die Nordrampe der Gotthardbahn in der Schweiz. Der Bau dieser Bahnstrecken galt lange Zeit als unmöglich. Nicht nur die Planung der Strecke und der Streckenbau waren eine Herausforderung, sondern vor allem der Bau von Dutzenden Tunneln und Brücken. Zudem war Robert Gerwig maßgeblich an der Gründung der Uhrmacherschule Furtwangen beteiligt. Leo Wohleb, 1888 in Freiburg geboren, gehörte zu den Menschen, die in der Nachkriegszeit das Bild über die Grenzen Badens hinaus prägten. Von 1947 bis 1952 hatte er das Amt des Staatspräsidenten im damals selbständigen Land Baden bekleidet. Mit voller Leidenschaft versuchte er einen selbständigen Südweststaat Südbaden zu erhalten, was aber misslang. Im Jahr 1952 ging das staatliche Eigenleben des Landes Südbaden zu Ende und es wurde fortan ein Teil des Bundeslandes Baden-Württemberg. Noch im selben Jahr ernannte Bundeskanzler Adenauer Leo Wohleb zum Gesandten der Bundesrepublik Deutschland in Lissabon. Leo Wohleb verstarb am 12. März 1955 in Frankfurt am Main und erhielt auf dem Freiburger Friedhof ein Staatsbegräbnis.
Schloss Karlsruhe

Foto: Schloss Karlsruhe

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